20/11 2010

Ginsberts Weg zum Supermarkt

Die Felskante schnitt schmerzhaft in die Finger. Genau wie die Plastiksenkel von diesen sechsmalanderthalbliter PET-Flaschenhaltehäuten. Ginsbert ließ los, denn das waren sie nicht wert, noch nicht mal mit Pfand. Weit unten toste die Brandung. Was tost eigentlich sonst noch, außer Brandungen? Sturmwinde. Ja, die tosten zweifelsfrei auch, sogar sehr heftig, wenn Ginsbert genauer darüber nachdachte, wozu er jedoch keine Muße fand, der Regen peitschte gar zu dolle. Mit letzter Kraft zog er sich die Klippe hoch und mit allerletzter Kraft setzte er sich die Anorakkapuze wieder auf. Zum Zuschnüren fehlte ihm folglich die Kraft und wieder barhäuptig trottete er davon. Es mußte auch einen bequemeren Rückweg vom Supermarkt geben.

Strahlendblau präsentierte sich ihm das Himmelszelt, das borstige. Der Regen hatte aufgehört und Ginsbert war nicht gewillt den Zorn der Götter ein weiteres Mal heraufzubeschwören. Nicht wenn zuhause ein leckerer Braten auf ihn wartete, was nicht der Fall war. Papier mag geduldig sein, Braten sind es in der Regel nicht. So gar nicht passte dieser Wetterumschwung ins Bild einer wohlgebildeten, grauen, schleimigen Wohlfahrtsgesellschaft, das ansonsten die Fernsehkanäle beherrscht. Wetter hat beständig zu sein, vor allem im Guten, aber auch im Schlechten. Regen bringt Fäule ins Heu, also breche Deine Zelte ab, war ein altes Motto.

Dem Teufel eine Zwiebel schälen, war ein weiteres Sprichwort, was für Ginsbert eine besonders große Bedeutung hatte. Es ging zurück auf den schlecht gemeinten Rat, sich bei einem potentiell übelriechenden Halunken, einem brutalen Schläger oder wahnsinnigem Mörder zusätzlich unbeliebt zu machen, indem man ihn an seinem wunden Punkt reizt, bis er vor Wut explodiert.