Ginsbert und die Wasserpfeife

Eigentlich war es wenig mehr gewesen als eine handelsübliche Wasserpfeife. Was an ihr besonders war, das war der mordmäßig geile Stoff, der darin verbrannt wurde. Glaubte also auf jedenfall der Ginsbert. Ginsbert war ein einfaches Gemüt. Es reichte ihm, ab und an ein wenig auf abgebrannten Zigarettenstummeln herumzukauen, und sich vorzustellen, er sei total gut drauf. Meistens ging er danach in die Stadt, und amüsierte sich in einem der neumodischen Tanzlokale, die ihm – war er gerade nicht total gut drauf – eigentlich eher fremd waren. Dann machte er sich dort an verschieden Mädchen ran und erzählte ihnen Geschichten aus vergangenen Zeiten, die diese sehr gerne hörten. Zum Beispiel diese:

Ginsbert war früher in der Armee gewesen. Leider gab es damals keinen Krieg. Also beschloß Ginsbert etwas anderes zu machen. Nachts schlich er sich in an die Schlafkojen seiner Kameraden, und zündete ihre Hängematten an. Bald darauf bekam er einen Orden für besondere Leistungen im Dienste des Vaterlandes.

Zwar waren einige der Mädchen - die keinesfalls besonders hübsch waren – sehr erstaunt darüber, daß Soldaten immer noch in Hängematten schliefen, aber Ginsbert erzählte die Geschichte mit solch einer Inbrunst, daß man sie einfach lieben mußte. Lieber gut erfunden, als wahrhaft langweilig dachten sie sich.

Und dann kam die Wasserpfeife. Buff. Einfach so, auf den Tisch geknallt von einer unfreundlichen Bedienung in einem seltsam knittrigen Kleinmädchenkleid. Die Pfeife war vor allem blau, hatte aber auch was rötliches an sich. Neugierig nahm Ginsbert sie in die Hand. Sie war schwer. Auch eines der Mädchen wollte mal daran schnuppern, schreckte dann aber zurück, als Ginsbert ihr offenbarte, daß Wasserpfeifen für Mädchen ansteckend wären, was natürlich nur ein Trick war, um die Wasserpfeife alleine angucken zu können, selbstverständlich wußte er, daß sich auch Jungen an ihr infizieren können. Die Pfeife war aber auch sehr seltsam geformt, wie eine Colaflasche, nur dicker. Jetzt hatte die Neugier Ginsbert endgültig gepackt. Mit einer kraftvollen Geste holte er aus, und schmetterte das Höllenvehikel mit einem mächtigen Wurf gegen den Barspiegel, der daraufhin total kaputt ging. Ginsbert stützte sich auf die Theke, und rollte sich seitlich darüber. Er fiel genau in die ganzen Scherben, aber das war ihm egal. Blutüberströmt stand er auf, und stampfte auf dem Haufen herum, wollte ihn jemand davon abhalten, dann bespuckte er ihn ausgiebig. Noch im Streifenwagen speichelte er die Polizisten so vollständig ein, daß sich diese genötigt sahen, ihm einen Knebel anzulegen. Ginsbert war sich zwar nicht sicher, ob dies gegen die Genfer Konventionen verstieß, machte sich aber eine geistige Notiz, notfalls bis vor ein Gericht in Den Haag zu gehen, irgendeins da in Holland.

(von Georg Szwillus)