Die Fußgängerzone

 Wenig machte Ginsbert so traurig, wie der Anblick des toten Körpers eines guten Freundes in einem Sarg.

Bedrückt und mit hängenden Mundwinkeln wanderte Ginsbert die Hauptstraße entlang, ein Würmchen von einem Dackel war für einige Meter sein stummer Begleiter. Die bärbeißige Besitzerin setzte sich aber durch. Ärger mit den Behörden konnte sich Ginsbert gerade wenig erlauben.

Eine handvoll Minuten später betrat er ein hübsches Kaufhaus, und blieb etwa eine halbe Drehtür. Flüche flogen ihm hinterher. Draußen angekommen, starrte er kurzzeitig anfängermäßig herumgittarierende Jungmänner an, um dann lautstark ein widersprüchliches Libretto zu ergänzen. Freunde mache man sich so nicht, stellte einer der beiden Musikanten nach dem frühzeitigen Ende der Aufführung lakonisch fest. Pappbecher und Essensreste aus einem nahen städtischen Mülleimer waren zur Unterstützung der These geflogen, Ginsbert mache mit „[s]einem Geplärre das ganze Stück kaputt!“

Mit einer immer noch gräulich verfärbten Stimmung wanderte Ginsbert weiter. Den Blick auf das nasse und einladende Straßenpflaster gerichtet, stellte er fest, daß jemand dort eine niedrigwertige Münze vergessen hatte. Wie dem auch sei, an ein Nickerchen war hier nicht zu denken, alles voller Leute. Am Straßenrand sank er immerhin auf die Knie und dachte nach.

Ein Messer hat eine stumpfe und eine scharfe Kante. Dies unterscheidet es von einem Schwert, welches gemeinhin zweischneidig ist. Danach folgte Stille. Kotze ist bitter. Wieder Stille. Ich habe noch nicht von meinem passiven Wahlrecht Gebrauch gemacht.

Seine feuchte Hand schüttelnd erhob sich Ginsbert langsam und tauchte wieder in der Menge unter.