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Ginsbert und das Telekaninchen
„Erinnern Sie sich noch an letzte Woche?“
„Ha“, erwiderte das das schwangere Kaninchen, „letzte Woche, da wollten Sie noch mit mir in die Büsche zum Rammeln. Jetzt bin ich schwanger und wohl nicht mehr gut genug.“
Ginsbert schaute gerade Kinderkanal und synchronisierte nach. Aber jetzt war ihm langweilig geworden, schon alleine weil sich das Gespräch auch in dieser Folge immer nur um das Gleiche drehte. Er schaltete auf stumm und goss er sich altes Badewasser in seine Tasse. Dampfend brodelte es vor sich hin.
Zögernd ging er auf den stummen Fernseher zu, und drohte dem grinsenden Kaninchen schüttelnd mit der Faust. „Du Schlampe! Du miese Schlampe!“, schrie er. „Schon wieder schwanger. Das war sicher der geile Edgurd!“ Heftig keuchend wandte er sich wieder seinem Getränk zu. Altes Badewasser macht bekanntlich schlank. Nicht daß sich Ginsbert sorgen um sein Gewicht machen mußte, sein Body-Mass-Index war rein rechnerisch 3π².
Ginsbert fragte sich, was er mit dem Kaninchen machen sollte. Normalerweise war für einen solchen Fall Mißachtung angesagt, aber drauf hatte er keine Lust, dann würde er ja seine Lieblingssendung im Kinderkanal verpassen. Die einzige humane Lösung wäre seiner Meinung nach, Dynamit in den Kaninchenbau zu stopfen und anzuzünden.
Ein großer Schluck aus seiner Tasse und der Geschmack von aufgewärmter Latschenkiefer verteilte sich in seinem Mundraum und beruhigte ihn einigermaßen.
„Du und deine Freundinnen von der Tagesschau, ihr habt Euch doch eh alle gegen mich verschworen.“ Er spuckte grünliche Flüssigkeit auf die Mattscheibe. Vorwurfsvoll hoppelte das Kaninchen unter den Latschenkieferspeichelfäden in seinen sicheren Bau. Das war also ihre Strategie. Rückzug von der Front. Ihn einfach so im Regen stehen lassen. Der Abspann rannte jetzt über den Bildschirm. „Nicht mit mir!“, dachte Ginsbert laut und griff nach dem Telefon. „Hallo, geben Sie mir die Nummer vom Kinderkanal.“ Es folgte eine sachlich unverständliche Antwort. „Na und? Sie haben ja wohl Internet und können mal auf www.gelbeseiten.de oder so nachgucken.“ Wieder Gebrabbel als Reaktion. „Ihre Nummer habe ich aus der Geldbörse. Aber auch egal, ich leg' jetzt sowieso auf, Sie stecken doch mit den Kaninchen unter einer Decke!“ Er knallte den Hörer auf die Gabel, nahm das Messer, schnitt sich ein Stück Butter ab, löste es in dem immer noch dampfend heißen Badewasser auf und spülte das entstandene Getränk die trockene Kehle hinunter.
Weinend ging Ginsbert ins Bett, dabei war er vor einer halben Stunde erst aufgestanden. Etwas hilflos erbrach er sich vorher übrigens noch auf die Fernbedienung.