Ginsbert und die Elefantendame

Ginsbert war irgendwie müde. Begeistert stellte er sich vor, wie es wäre ein Haus am Strand von Malibu zu besitzen, mit Terrasse und Collie. Ginsbert war noch nie in Malibu gewesen, wußte eigentlich gar nicht, wo das genau war, nahm aber an, daß es am Pazifik liege. Immer noch in Gedanken versunken, goß er sich ein leckeres Glas Leitungswasser ein, setzte sich in einen breiten Lehnstuhl und ging vollends in Gedanken unter. Irgendjemand hatte Hühnchensud von den frittierten Chicken Wings in das Leitungswasser gemischt, also dauerte es nicht sehr lange, bis Ginsbert total high war. Alles schien ihm in eigenartigen Farben zu verschwimmen, die auf dem elektromagnetischen Spektrum auf jeden Fall jenseits des violetten zu finden sein mußten. Beglückt stellte er fest, daß vor ihm auf dem Hocker eine kaum daumengroße Elefantendame hockte und dort mit einem Regenschirm eine tollen Tanz hinlegte, dessen spanisch klingender Name ihm nicht geläufig war, den er aber auch gar nicht wissen wollte. Vielmehr interessierte ihn, was die Elefantendame, deren Name übrigens – so stellte es sich Ginsbert vor – Trimbolo war, machte, falls der Regenschirm ein Loch bekam. Und – oh nein – da war es auch schon passiert. Ein Windstoß erfaßte die Elefantendame, deren Regenschirm ihr ja jetzt keine Stabilität mehr geben konnte, und trug sie durch das Fenster hinaus auf die offene See. Doch Ginsbert handelte – angetrieben durch unbändige Zuneigung der Elefantendame gegenüber – schnell, und machte sich erstmal einen Kaffee. Trimbolo rief er hinterher: „Dann geh’ doch nach Mexiko, zu den anderen Elefanten, du Feigling!“

Man kann davon ausgehen, daß Trimbolo Mexiko niemals erreicht hat, zumal ihr Ginsbert mit seiner rauhen Art soeben das ledrig graue Herz gebrochen hatte.

Ginsbert erwachte indes aus seinem Hühnchensudrausch und goß sich ein weiteres Mal Kaffee ein, wie es seine Art war, aus einer blümchenverzierten Teekanne seiner Großmutter.

(von Georg Szwillus)