Ginsbert im Park

Am nächsten Morgen hatte sich der Pulverdampf gelegt. Ein trauriger Kieselstein verharrte trotzig im Flußbett, aber ansonsten regierte hier heiterer Trübsal. Niemand machte sich mehr Sorgen um seine Zukunft als unser Freund Ginsbert. Freilich hatte der gerade besseres zu tun, war Taubeneier suchen im Park. Dort angekommen fand er keine und schlief auf einer karnickelversuchten Wiese ein.

Nach einem kurzen aber heftigen Schlaf widmete er seine Aufmerksamkeit den schönen Studentinnen, die sich hier zu tausenden auf Liegestühlen niedergelassen hatten. "Was lesen Sie da?", fragte er eine. "Kann ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?", eine andere. "Kaffee ist alle, aber wenn Sie mir Ihre Handynummer geben, rufe ich Sie an, sobald sich was Neues ergibt", versuchte er es geschickt. "Von der Keffeefront, meine ich", fügte er im Umdrehen noch verschmitzt hinzu.

Sie kramte in ihrer Handtasche nach Zettel und Stift, aber Ginsbert trottete bereits mit gesenktem Kopf davon und sank hinter einer krankborkigen Buche in sich zusammen. Um sich abzulenken, dachte er an Rehe, wie sie genüßlich kauten. Dieses Bild verfehlte seine Wirkung nicht und Ginsbert bekam großen Hunger.

Langsam erhob sich Ginsbert aus seiner Buchenmulde und durchdachte seine Optionen. Bucheneckern waren nahr- und schmackhaft. Leider war eine Rotte Wildschweine schneller gewesen und hatte allerhöchstens marginale Reste übrig gelassen. Gedanklich machte er sich eine Notiz, die Sau mal anzurufen und den Vorfall zu klären, fürs erste jedoch mußte er sich eine alternative Nahrungsquelle einfallen lassen. Seinen Vorschlag einen Schnellimbiß direkt hier im Park aufzubauen war an störrischen Bänkern gescheitert, die ihm die notwendigen Kredite verweigert hatten. Sogar die Polizei hatten sie gerufen, als er einen Tag später seiner Mißbilligung mit einem Sack Hundescheiße Ausdruck verliehen hatte. Ach wie herrlich wäre es gewesen, hier in der freien Natur in seiner eigenen McDonalds-Filiale zu speisen. Königlich. Von einer hübschen jungen Frau, die ihm einen Zettel hinhielt wurde Ginsbert aus seinen Schwälgereien gerissen. Königlich wäre es gewesen, dachte er, sie vollständig ignorierend.

Er stand auf und versuchte sich dem Redeschwall der Fremden zu entziehen, indem er die Hände kraftvoll auf seine Ohren presste. Derart gewappnet verließ er das Gebüsch und ging nach Hause, vielleicht waren noch ein paar Taubeneier übrig, von letzter Woche.