Wie der riesige Hasso Ugel bei seinem Freibadbesuch einen erbärmlichen Bauchklatscher machte

Bauchklatscher passieren ab und an. Aber den Bauchklatscher, den Hasso Ugel heute hingelegt hatte, entbehrte jeglicher logischen Grundlage. Am schlimmsten war das Geräusch. Und zwar nicht das beim Aufprall, dieses war ein normales Bauchklatschergeräusch gewesen. Für einen ungeübten und mitleidenden Zuhörer gewiss schmerzhaft, aber zumindest noch dieser Welt zugehörig. Nein, erschreckend war das Geräusch, welches Hassos Unterleib von sich gab, als er aus dem Wasser stieg. Es war einfach nur inhomogen und ökotrophisch. Eine Kakophonie der chemischen Disorganisation von Verdauungsdämpfen. Ein Ohrenzeuge verglich es später mit dem Geräusch der Entjungferung einer schwangeren Walkuh, womit er sich auszukennen schien.

Hasso indes begab sich schmerzgekrümmt zur Pommesbude, erkletterte unter verhaltenem Widerstand der Pommesbudenfrau die Theke und begann, die sorgsam aufgebauten Süßigkeitenbehälter umzutreten. Dann sprang er in den Innenraum des Verschlages, den die Bedienung in weiser Voraussicht panikartig verlassen hatte. Dort bemühte er sich an einer akrobatischen Meisterleistung: Während er den linken Fuß in das heiße Fett tauchte, steckte er den immer noch nassen Kopf in die Langnese-Eistruhe.

Erstaunt über die Schmerzunempfindlichkeit des bauchgeklatschten Hünen, bildete sich eine rasch wachsende Menschentraube um die Bude. Den Kopf aus der Eistruhe zurückziehend und nach einer kurzen optischen Diagnose seines roten Fußes entfernte er diesen aus dem Fett und wickelte ihn in trockene Tücher. Ein Mann mit einer roten Schürze trat hervor und lächelte Hasso an. Er murmelte etwas und überreichte Hasso dann eine etwas arg verkratzte CD. Hasso zögerte nicht lange und legte die Scheibe in das Abspielgerät, welches der Bademeister flugs an die Lautsprecheranlage anschloß. Es erklangen die seichten Klänge eines Schmalzschlagers von Celine Dion, zu dessen Klängen sich die leicht beeinflußbaren Menschen wieder ins Wasser oder auf die Liegewiese begaben.

Doch niemand, den Mann mit der roten Schürze ausgenommen, hatte mit der verheerenden Wirkung des Kratzers auch dem digitalen Tonträger gerechnet. Es gab ein kurzes Stocken in dem Lied, welches die Romantik total zerstörte. Hasso war außer sich vor Wut, griff den Flammenwerfer, der aus Sicherheitsgründen in jedem Freibad zu finden ist, weil dort viel mit Wasser gearbeitet wird, und zündete den Mann mit der roten Schürze einfach an. Aber der war nicht doof und sprang ins Kinderbecken, um sich zu löschen. Jedoch hatte ein Schelm, wahrscheinlich Hasso Ugels kleiner Bruder Tonko, das Wasser dieses Beckens gegen Kerosin ausgetauscht.

Man kann von Glück reden, daß an diesem Tag keine Kinder oder Jugendlichen im Freibad waren, die einzigen, die in dem folgenden Inferno umkamen, waren alle Anwesenden.


(von Georg Szwillus)




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