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Mykroforn
Im Jahre 1997 an einem lauwarmen Sommerabend, saß ich bei einer Flasche Rotwein auf meinem Schaukelstuhl und dachte an die schicksalhaften Ereignisse der letzten Monate. Plötzlich entsann ich mich eines Wortes: Mykroforn.
Denk ich an Mykroforn, kommt mir immer der Gedanke an ein halbgegessenes Sandwich wieder hoch. Damals war es im Zoo noch ziemlich voll, so daß ich in dem Gedränge den Gorilla nicht bemerkte. Die Lautsprecher hatten es angekündigt. Seinen Ausbruch aus den gesellschaftlichen Zwängen. Mir schien wunderlich, wie zwanglos er einige Besucher in Stücke riss. Dieses Tier hatte es verstanden. Der Gorilla hatte das Mykroforn.
Zwei Wochen später, nachdem die Angelegenheit mit dem Gorilla weitgehend vergessen war, besuchte ein unfreundlicher Mensch mit Aktenkoffer meine damalige Freundin. Der Leser sollte hier erfahren, daß meine damalige Freundin sehr hübsch gewesen war, bis zu dem Besuch des unfreundlichen Mannes. An die Wand hatte er nur ein Wort geschrieben: Mykroforn.
Wiederum drei Wochen später passierte ein weiteres grausames Unglück: Eine dicke Frau schob einen Kinderwagen regelrecht vergnügt auf einen Zebrastreifen, worauf er von einem wild hupenden Müllwagen erfasst wurde. Ich war damals Zeuge, jedoch aus sicherer Distanz, Eingriff unmöglich. Wenig erstaunlich, daß die Frau den Tränen nahe war, es hatte sich um ihr eigenes Kind gehandelt, welches auf diese tragische Weise ums Leben gekommen war.
Das eigentlich verwirrende an diesen scheinbar unzusammenhängenden blutigen Geschichten war die Tatsache, daß es eben doch Zusammenhänge gab. Sowohl der Gorilla, als auch der unfreundliche Mann und auch der Fahrer des Müllwagens berichteten unabhängig voneinander, eine dunkel schimmernde Gestalt gesehen zu haben, keine fünf Minuten vor ihrem unerklärlichen, aber grausamen Verhalten. Dies waren damals meine Gedanken.
Draußen war es mittlerweile dunkel geworden und es hatte sich eine dichte Wolkendecke gebildet, die den Adlern den Blick auf die verschneite Holzhütte verwehrte. Und wieder konnte man einen dunklen Schemen erkennen, der hilflos kichernd auf seinen Fingernägeln kaute, und gedankenverloren Schlaflieder in sein Mykroforn gröhlte.
(von Georg Szwillus)
Puh. Das Ende ist ja richtig gruselig...
Aber schön geschrieben!