Bomin und Bus I

Letzt fuhr ich mit dem Bus. Es war sehr schön.

Da blieb die Zeit stehen. Nicht auf so ´ne poetische Weise, von wegen ich sah das Mädchen meiner Träume und ihre Haare glänzten im Nebeldunst der taufeuchten Fichtenwälder oder so, sondern echt.

Erfreut über diesen netten Zwischenfall, sah ich mich um: Irgendwas war anders. Es können die Farben gewesen sein: Sie waren alle grüner als sonst, bis auf violett, das war gelb.

Die anderen Leute im Bus schienen meinen bedauernswerten Zustand nicht zu teilen. Deshalb waren sie total steif und still. Aber der Bus fuhr noch weiter.

So ungefähr drei Wochen später - oder jetzt - stellte ich fest, daß der Bus tatsächlich immer wieder die selbe Strecke fuhr. Mir war das alles so blöd, ich beschloß auszusteigen.

Mit wehendem Haar, in der Hand das Banner meiner Kompanie, die Hände zu Fäusten geballt wollte ich kräftigen Schrittes aus dem Zeitbus entfliehen. Doch nebelhaft nahm ich einen schwarzen Schatten wahr, der regenbogenschillernd mir den Weg versperrte. Ich war noch nie ein mutiger Mann gewesen: Ich setzte mich wieder hin.

Wow, das machte Spaß! Die arme Frau würde sich nicht wiedererkennen, wenn sie aus diesem Zustand erwachte: Genährt von lustigen Kondenströpfchen, die sich ständig an den Scheiben niederschlugen, hatte ich meinen Speichel genutzt, um die arme Frau zu umhüllen. Etwas sagte mir, daß das nicht in Ordnung sei, und folgerichtig benutzte ich ihren Hund, um das Malheur zu beheben.

Ich hatte mir aus den Sitzen eine Hängematte gebaut, und an der Decke des Busses baute ich Bananenstauden an, praktischerweise – so stellte ich nämlich jetzt fest – galt auch die Gravitation in diesem seltsamen Bus nur eingeschränkt, so daß die Bananen zwar leider gerade waren, aber trotzdem vorzüglich schmeckten. Gedüngt hatte ich sie mit den Splittern der Brillengläser einiger Fahrgäste. Sorgen machte ich mir, was ich wohl essen könnte, falls diese mir ausgingen. Ich liebe Bananen!

Die Idee mit dem Nothammer kam mir nach zwei Jahren (subjektiv vergröbert gemessen an den Altersringen meiner Bauchfalte). Ich zerschlug die Scheibe und konnte entkommen. Samariterhaft warf ich aber zuerst alle anderen Fahrgäste – sogar den Busfahrer, dieses geizige Schwein – aus dem Fenster. Als ich am nächsten Morgen in der Elisabeth-Klinik aufwachte, sagte man mir zuerst, daß ich Teil eines großangelegten wissenschaftlichen Experiments sei, und vorerst nur Erbsensuppe essen dürfe.

Übrigens: Die anderen Fahrgäste haben es alle gut überstanden, und besuchen mich – voll Dankbarkeit, und gezeichnet von einem Leben in Wohlstand und Würden – in meiner Kemenate im Turm des Wormser Stadtschlosses.

(von Georg Szwillus)