Wie Manni der Libero die Finanzkrise auslöste

Gehetzt wischt der Blick unseres Interviewgastes Dr. Ivo Spykostris durch den Kellerraum, den er für die Vorstellung seines neuen Buches gewählt hat. Wir sind die ersten Gäste der Veranstaltung und nach zwei Stunden Wartezeit lässt sich wohl sagen, die einzigen.  Der angesehene Kyllandrologe sitzt auf Mandarinenkisten und hat die Füße in einen Berg aus Pelzen gesteckt. Nachdem er uns 120 Minuten beschwichtigende Gesten, gespitzte Lippen und seinen ausgestreckten Mittelfinger präsentiert hat, sprechen wir über seine neueste Publikation.

"Wie Manni der Libero die Finanzkrise auslöste" ist eine Abrechnung mit den Banken und ihren erfundenen und wieder verlorenen Gewinnen. Es versucht höchst kryptisch das Leben von Bänkern zu beschreiben, die längst den Kontakt zur Realität verloren haben. Für letzteres scheint Spykostris ein ausgewiesener Kenner zu sein, die Bankenwelt seines Buches kann allerdings nur seiner Phantasie entsprungen sein.

Unvermittelt beginnt der charismatische Fantast das Gespräch.

Spykostris: "Ich glaube, Sie verfolgen mich"

no-site: "Wir haben einen Interviewtermin, das hier ist Ihre Pressekonferenz"

Spykostris: "Papperlapapp. Wie Sie meinen. Dann fragen Sie schon."

no-site: "In 'Wie Manni der Libero die Finanzkrise auslöste' ...'"

Spykostris: "So? Hat er das? Wer behauptet denn so einen Unfug?"

no-site: "Das waren Sie. 'Wie Manni der Libero die Finanzkrise auslöste' ist von Ihnen geschrieben worden und ..."

Spykostris: "Haben Sie Beweise dafür? Ich meine echte Beweise und nicht so einen Mist wie dieses Machwerk da? Das haben Sie doch selbst geschrieben, ist es nicht so? Und dann besitzen Sie noch die Frechheit mich hier in meiner blauen Stunde zu stören."

no-site: "Entschuldigung."

Spykostris: "Jetzt sind Sie ja ohnehin da. Lassen Sie mal sehen, was Sie da mitgebracht haben."

no-site: "Das ist 'Wie Manni der Libero die Finanzkrise auslöste'"

Spykostris: "Ja, ja. Genau das will ich sehen. Ich kenne mich in dem Bereich aus, müssen Sie wissen. Als wir in den siebziger Jahren am Nachweis von Bilanzfälschungsversuchen von extraterristrischen Lebewesen arbeiteten, wurde Thommy Ohrner geboren. Das kann kein Zufall sein."

no-site: "Das was 1976, da war Ohrner bereits 11, Dr. Spykostris."

Spykostris: "Wer von uns beiden ist denn nun der Experte?"

no-site: "Entschuldigung."

Spykostris: "Dieses Interview ist vollkommen absurd. Sie haben sich ja nicht einmal vorbereitet. Fragen mich nach Büchern, die ich nur vom Hörensagen kenne und niemals lesen oder empfehlen würde."

no-site: "Sie erwähnten soeben, dass es sich um keinen Zufall handeln kann."

Spykostris: "Und? Jetzt wollen Sie wohl mir die ganze Sache andrehen, was? Aber das kenne ich ja bereits von den anderen. Es steht außer Zweifel, dass die Finanzkrise kein verdammter Zufall ist.

no-site: "So haben Sie es ja im Buch beschrieben. Ich darf zitieren: 'Und wenn dieser idiotische Libero nicht 25.000 Mark in kleinen Scheinen abgehoben hätte, dann wäre das alles nicht passiert'"

Spykostris: "Interessant. Aber wahr. 'Hekkn den knosen, rampartinger tenn krosen', hätte Jupp heute gesagt. Aber jetzt ist der Libero ja in den Brunnen gefallen und wir haben diese Krise. Da beißt die Maus keinen Faden ab."

no-site: "In ihrer Biographie schildern Sie im Kapitel 'Wie ich den Idioten mit ungedeckten Leerverkäufern das letzte Hemd auszog' Grundzüge der Strategie, die auch bei den heutigen Banken zum Zusammenbruch der Aktienmärkte geführt hat."

Spykostris: "Das ist eine Sache zwischen mir und Adenauer gewesen."

no-site: "Sie sprechen von unserem ersten Bundeskanzler, Dr. Konrad Adenauer?"

Spykostris: "Nein, von seinem Gras fressenden Nenncousin 4. Grades, Freddy Adenauer, Sie Ignorant."

no-site: "Zurück zu ihrem Werk. Sie haben sich dafür entschieden, die Sätze alphabetisch zu sortieren und über einen Nummernschlüssel in eine syntaktisch, Sie erlauben, fragwürdige Reihenfolge zu bringen."

Spykostris: "Nur um den Lektor zu ärgern. Er hat ein Verhältnis mit meiner Frau."

no-site: "Meinen Sie nicht, dass das ihrem Ruf in der deutschen Wissenschaftsszene schaden könnte?"

Spykostris: "Lächerlich! Sie sprechen ja nicht mal meine Sprache!"

no-site: "Wie meinen Sie das?"

Spykostris: "Bnork. Sagendie grutz, oink. HALT!"

Spykostris sackt auf seiner Mandarinenkiste zusammen und bleibt dort regungslos, aber permanent zwinkernd, liegen.

no-site: "Vielen Dank für dieses Gespräch."

Spykostris: "Welches Gespräch? Ich habe nur tropfen gehört."

(Karl Szwillus)




Gästebuch

Hat es gefallen, oder auch nicht? Ein Eintrag im Gästebuch sagt es auch uns. Genau hier klicken!