Medientheorie und Einrichtung

  1. Cultural studies

Machen Sie, was Sie wollen. Nennen Sie es Einrichtung. Kritisieren Sie es. Machen Sie weiter. Ab und an werfen Sie einen Stuhl um und treten darauf herum. Drehen sie ihn dann um und loben ihn von der anderen Seite als wertvollstes Möbel.

  1. Systemtheorie

Es gibt keine Möbel. Sie bezeichnen die Mauer ihrer Wohnung als ihre Welt/Umwelt-Differenz. Um Einrichtung zu erklären müssen Sie, da es keine Möbel gibt, statt dessen die ganze Welt erklären. Sie sind von Funktionen wie sitzen/stehen/kochen umgeben und haben diese auch als wichtig erkannt. Darauf hin bildete sich zwar zu allem Überfluß auch noch eine Mauer um den Platz auf dem Sie stehen, welcher sich zum Haus ausdifferenzierte, aber immer noch sehen sie keine Möbel. Mit Entstehen des Hauses wird Ihnen klar, dass es lediglich Parameter der Funktionen sitzen/stehen/kochen sind. Sie stellen fest, dass Sie keine Möbel brauchen.
 

  1. Postmoderne Medientheorie

Ziehen Sie neue Mauern, wenn ihnen danach ist. Reissen Sie sie wieder ein und behaupten, diese Mauer war schon immer unsinnig. Stellen Sie sich vor eine Mauer und behaupten sie, dass das zwar aussähe wie eine solche und funktional auch ähnlich sei, aber keine ist. Verteilen Sie die Möbel zufällig und sagen Sie, ihr Haus sei nur zu komplex geworden, um das System zu verstehen. Man müsse sich daher auf die Einrichtungsfragmente beziehen, die man gerade sieht. Ab und zu sollte sie vor Antiquitätenkennern teure Barockmöbel verbrennen und IKEA für funktional äquivalent erklären.

  1. Medienphilologien

In ihrem Haus wimmelt es von schönen Möbeln, nur die schönsten und edelsten lassen Sie über die Schwelle. Sie halten Freunden lange Vorträge über Texturen, Holzfarben, warum dies neben dem steht und wie sie sich ergänzen. Sie schieben den ganzen Tag über Möbel durch die Wohnung und schauen sie sich nebeneinander an. Sie öffnen Schränke, stellen sie nebeneinander, doch alle scheinen merkwürdig leer. Egal, dann referieren Sie einfach über die Leer-Stelle im Schrank-Innern und die Übereinstimmung mit ihrem Kopf nach einer durch-zechten Nacht. Sie behaupten Freud und Lacan zu lesen. Ihnen ist wichtig, was die Bedeutung all dieser Möbel mit Ihnen macht. Wenn Sie nur endlich wüssten, wofür die gut sind.

  1. Zeichentheorie

Sie sind umgeben von Verweisen auf Möbel. Diese werden erst dann real, wenn sie darüber sprechen können. Wenn sie Gäste haben, scheinen sich die Möbel permanent von alleine zu verschieben, so sehr sie sich auch mühen, sie festzuhalten. Ab und zu laufen sie gegen den Fernseher, bei dem Versuch, sich in einer Talkrunde auf dem Sofa niederzulassen. Abbildungen von Möbeln auf dem Computer verlachen sie dagegen hartnäckig. Ha! Du bist nur ein flackerndes Möbelzeichen und sowas will Möbel sein! Sie kugeln sich auf dem Boden.

 

  1. Konstruktivismus

Nur sie sehen die Möbel in ihrer Wohnung. Sie können sich nicht entscheiden, ob das daran liegt, dass es nur Möbelfunktionen (s.o) sind oder ob es so etwas wie Möbel überhaupt gibt. Sie entscheiden sich, dass Problem empirisch zu lösen und die Beziehung dessen, was Möbel sein müsste, zu dem was es gibt, zu untersuchen. Sie kommen zum Ergebnis, dass es Möbel geben könnte. Eventuell wissen die aber gar nicht, dass sie Möbel sind und vielleicht funktionieren sie auch nicht. Sie setzen sich daher aus Sicherheitsgründen nur auf valide Stühle.

 

  1. Kritische Theorie

Sie hassen Möbel, die mehr als einmal produziert wurden. Sie hassen IKEA. Gesellschaftliche Zwänge setzen sie Möbeln aus, die die Menschen degenerieren. Sie stellen sich in Parks und rufen: IKEA macht blind, IKEA macht krumme Rücken. Sie wollen in einer Wohnung ohne Stufen wohnen, die aussieht, wie die Wohnung aller anderen Menschen. Alle sollen nur von feinsten Antiquitäten umgeben sein. In ihrer neuen Wohnung fliegen ihnen Tauben in den Mund, die mit Gott nichts zu tun haben. Die Realität ist gegen sie. Später wird einer sagen, IKEA-Möbel sind gar nicht schlecht, wenn man sie nicht so benutzt, wie IKEA das will.

 

  1. Informationstheorie

Ihre Wohnung ist permament unscharf. Sie haben längst berechnet, wie sich das ändern kann, doch wenn sie ihre Ergebnisse anderen Einrichtern zeigen, reden die sofort von Bedeutung und rücken Möbel. Ihre Einwände, dass sie nur ausgerechnet haben, wie die Wohnung endlich scharf wird, damit sie sie einrichten können, werden nicht gehört. Sie werden zum Helden. Mit jeder Laudatio werden ihnen bedeutungsvolle Möbel geschenkt, die sie nur noch demütig empfangen. Sie akzeptieren, dass ihr Problem keiner sieht.

 

  1. Medientechnische Historik

Ihre Möbel stammen sämtlich aus verlassenen Kasernen, sie bevorzugen dabei immer Möbel, die im Feld waren. Ihr Computer benötigt einen eigenen Anbau.