Tschüss Rudi

Es war im Juli eines heißen Sommermonats als Frau Swoboda von dem tragischen Unfall erfuhr. Eine Dampfwalze hatte ihren Mann unangenehm verbreitert. Tatsächlich hatte es sich um einen Unfall gehandelt. Verletzte und Tote waren allerdings fest davon überzeugt, daß es Mord gewesen war. Der Wetterbericht erzählte von schauerartigen Regenfällen, während Frau Swoboda von der Mitnahme eines Regenschirms geflissentlich absah. Wenn der Taxifahrer wenigstens so ehrlich gewesen wäre, daß Taxameter auszustellen, als er anhielt, um auf die Toilette zu gehen. Auch hatte ein Rückstau an der Ampel an der Kreuzung Zillestrasse für weitere Verstimmung gesorgt. Auf einer Beerdigung erschien man ohnehin nicht in einem blassgelben Auto, oder? Aber das sieht ja keiner. Stimmt auch wieder.

Die bewegendste Rede hielt der Freund. Gut gemeint sei sie gewesen, fromm und pfiffig, wie eine Grabrede sein sollte. Liebe Trauernde. Mensch, Rudi was machste für Sachen? Das wußtest du doch, wegen der Baustelle und so. Einige Leute warfen Blütenblätter ins Grab, andere Erde, die meisten beides. Frau Swoboda blieb am längsten. Die Sargträger, die auch zuschaufeln sollten, standen bibbernd im Hintergrund und im Regen. Frau Swoboda erkannte rechtzeitig, einer Abschiedsnahme nicht zu viel Zeit zu geben, könnte ein lebenslang bedauerter Fehler sein. Aber eigentlich war ihr schon etwas kalt. Nächste Woche geht’s mir sicher besser. Ich ruf den Fred an, der kann mich trösten. Tschüss Rudi.




2 Kommentare
Karl schrieb am 25.09.2007 08:12

In der Tat smile

Mira schrieb am 23.09.2007 15:21

lass mich raten... von Georg natürlich!

Liebe Grüße...