Dina

Dina ist zufrieden und schön.

Im Büro, da kennt man sich:
Normale sind wie wir.
Wir legen uns oft
Front auf Heck
Und bilden glatt im Ebenmaß:
Einen Stapel.
Und Seit' an Seit'
Da bleiben wir:
Ein Gleiches
...
nur größer und gedreht.

Nach harter Arbeit platt gedrückt,
nach aussen voller Freude,
trifft Dina auf dem Hauseweg,
eine lang gemisste Freundin.
Dinas wohlgeübtem Lächeln,
folgt ein schaurig' Imitat:
Die Abrisskante, schief gestutzt,
bildet kräuselnd einen Gruß.

Die Avancen eines Briefumschlags,
sie zünftig einzutüten,
weist Dina brüsk zurück.
Die Qualität zu holzig ihr,
zu lüstern feucht der Klebestrich.
Ihr Selbstwert steigt trotz alledem,
durch dieses Kompliment.

Doch die Haustür grad' geschlossen,
öffnet ächzend sich die Falz.
Ein Überstand, am Saum zuviel,
Zerrt Dina grob hinab.
Was soll das hier?
Was bin ich nur?
Ein Schriftstück ohne Wert!

Dem Knicken, Kleben, Tesastreif
den Anschein zu bewahren,
folgen Schere, Messer, Schneidgerät
um Normmaß zu gestalten.
Doch was mit denen, die zu dick
für einen sauberen Knick?
Der Riss läuft schief,
macht Wunden auf und
Alles nur noch schlimmer.
Der rechte Platz scheint diesem Blatt
die blaue Plastiktonne.

So wie das Glück ist
Eins zu Wurzel zwei
Normal
Denkt jeder für sich

Verlacht haben sie dich
fünf Finger nur breit
aber viele Meter lang
Kassenbonrolle vielleicht
oder als Klopapier
aber nur mit Piercing
und eventuell Tattoo.

Jetzt bist du Bordüre
in einem Palast.


(von Georg Szwillus)